„Die Wirtschaft befindet sich derzeit in einem Spannungsfeld“

Im Fallenbrunnen Friedrichshafen entsteht gerade das Gebäude des RITZ, das RITZ beschäftigt sich mit dem regionalen Innovations- und Technologietransfer. In einem Interview sprechen die Macher des RITZ mit Prof. Dr. Ruhbach, Geschäftsführer der IWT Wirtschaft und Technik GmbH, und Professor im Maschinenbau an der DHBW Ravensburg. Das IWT ist Kooperationspartner des RITZ.

RITZ: Herr Prof. Dr. Ruhbach, das IWT bietet Angebote für Studierende der DHBW, aber auch für Unternehmen um diese optimal an die Themenfelder Digitalisierung, Mobilität der Zukunft und Industrie heranzuführen. Dabei spielt auch Netzwerkarbeit eine Rolle. Wie sinnvoll ist es Ihrer Meinung nach Unternehmen, die mit den Themen Digitalisierung und Mobilität der Zukunft arbeiten, miteinander zu vernetzen?

Prof. Dr. Ruhbach: Die Wirtschaft befindet sich derzeit in einem Spannungsfeld aus konjunkturellem Abschwung, Klimakrise und Corona-Krise. Für mittelständische Unternehmen war es schon vor dieser Situation schwer, sich in den modernen Arbeitsfeldern zu positionieren. Die jetzt noch offensichtlicher gewordenen Herausforderungen von Digitalisierung und Mobilität erfordern mehr denn je nicht nur Ideen sondern auch das erforderliche Umsetzungsvermögen. Beides kann nur im Zusammenspiel der Kompetenzen erfolgen. Dafür ist die intensive Vernetzung eine unverzichtbare Voraussetzung.

RITZ: Der Campus Fallenbrunnen wächst zu einem Wissensquartier heran. Welche Bedeutung hat das RITZ für das Areal und wie könnte eine Kooperation zwischen dem RITZ, der DHWB und dem IWT aussehen?

Prof. Dr. Ruhbach: Der Fallenbrunnen ist bereits heute bis über die Grenzen des Bodenseekreises bekannt. Das Ritz hat daher nicht nur Bedeutung für das Areal sondern für die Innovationskraft des gesamten Bodenseekreises und darüber hinaus. Die Positionierung eines solchen Innovationszentrums in direkter Nachbarschaft der Häfler Hochschulen und des IWT als Bindeglied zwischen Wissen und Anwendung ist eine Konsequenz der Bemühung von Stadt und Landkreis um den nachhaltigen Ausbau der Wirtschaftskraft der Region. Die Umsetzungsfähigkeit etablierter Unternehmen mit der Innovationskraft von Startups und Hochschulen auf engem Raum zu kombinieren ist eine Idee, um die uns andere Regionen beneiden.

RITZ: Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung in Ihrem Bereich und bei Ihrer Arbeit mit KMU?

Prof. Dr. Ruhbach: Die Digitalisierung war noch nie eine Trendwende sondern schon immer Bestandteil einer kontinuierlichen Entwicklung. Konzerne sind dabei durch ihre Strukturen im Vorteil. Wir sehen derzeit aber in allen Unternehmen unabhängig von ihrer Größe gleichermaßen, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet. Ohne diese wäre es nicht gelungen, das wirtschaftliche wie auch das soziale Leben in der aktuellen Corona-Situation aufrecht zu erhalten. Auch die Kritiker der Digitalisierung haben die Vorteile entdeckt. Es ist davon auszugehen, dass zukünftig auch in den KMU erheblich mehr Energie in digitale Prozesse gesteckt werden wird.

RITZ: Welche Bedeutung hat das Thema Mobilität der Zukunft für Unternehmen der Bodenseeregion?

Prof. Dr. Ruhbach: Es gibt wohl keine Region in Deutschland, in der die Mischung aus Wirtschafts- und Tourismusregion in den Sommermonaten so offensichtlich ist wie am Bodensee. Der Wandel nicht nur in der Mobilität selbst sondern auch allen damit verbundenen Geschäftsprozessen wird notwendig sein, um den Personen- und Güterverkehr auf der Straße unter Berücksichtigung der wichtigen Klimaanforderungen zu bewältigen.

RITZ: Wie gelingt es Ihnen Betriebe, die erst wenig Erfahrung mit den Themen Mobilität der Zukunft und Digitalisierung haben, erfolgreich an diese Themenkomplexe heranzuführen?

Prof. Dr. Ruhbach: Unternehmen benötigen eine Vision und daraus abgeleitet eine klare Zielsetzung für diese wichtigen Themen. Wo stehen wir in fünf Jahren und was ist erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen. Ohne Erfahrung ist es schwer, eine Roadmap zu erarbeiten und sich für die für das Unternehmen angepassten Bausteine zu entscheiden und diese anzupassen. Diese Hilfestellung im Rahmen von Expertennetzwerken zu liefern ist eine der Aufgaben des IWT.

Interview: RITZ Regionales Innovations- und Technologietransfer Zentrum

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