Vom Fliesenleger zum Bundesminister
Auf Einladung von Prof. Dr. Ernst Deuer besuchte jüngst Walter Riester die DHBW Ravensburg und sprach vor Studierenden BWL-Industrie über aktuelle sozial- und wirtschaftspolitische Herausforderungen sowie über persönliche Erfahrungen aus seiner politischen Laufbahn. Begleitet wurde die Veranstaltung von einem Kamerateam des Norddeutschen Rundfunks (NDR), das derzeit an einer Dokumentation über ihn arbeitet.
Walter Riester steht wie kaum ein anderer für einen außergewöhnlichen Lebensweg in der deutschen Politik. Seine berufliche Laufbahn begann mit einer Ausbildung zum Fliesenleger – ein handwerklicher Beruf, der Bodenständigkeit und Praxisnähe prägte. Über sein Engagement in der IG Metall arbeitete er sich in verantwortungsvolle Positionen vor. Schließlich führte ihn sein Weg in die Bundespolitik: Von 1998 bis 2002 war er Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung im Kabinett von Gerhard Schröder. Bekannt wurde er insbesondere durch die Einführung der „Riester-Rente“, die bis heute seinen Namen trägt.
Austausch auf Augenhöhe – mit Kamera begleitet
Bei seinem Besuch an der DHBW Ravensburg brachten sich Studierende der Studienrichtung BWL-Industrie, die von Prof. Dr. Ernst Deuer und Prof. Dr. Heike Stahl vorbereitet wurden, aktiv ein: Mit vorbereiteten Fragen und Impulsen zu Themen wie Arbeitsmarkt, Rentenpolitik, Arbeitszeit und wirtschaftlicher Transformation sorgten sie für eine lebendige und fundierte Diskussion. Riester nahm sich Zeit für differenzierte Antworten, persönliche Einblicke und einen offenen Dialog – ein spannender Austausch zwischen Praxis, Politik und Wissenschaft.
Arbeitsvolumen = Effizienz?
Ein besonders spannender Diskussionspunkt war die Frage „Arbeitsvolumen = Effizienz?“. Walter Riester machte dabei deutlich, dass aus seiner Sicht eine hohe Anzahl geleisteter Arbeitsstunden nicht automatisch mit Produktivität oder wirtschaftlichem Erfolg gleichzusetzen ist. Anhand anschaulicher Beispiele zeigte er auf, dass moderne Arbeitswelten stärker auf Qualität, Prozesseffizienz und nachhaltige Strukturen setzen müssen – statt ausschließlich auf die Quantität der geleisteten Arbeit. Gerade im internationalen Vergleich werde deutlich, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht allein durch mehr Arbeitszeit entsteht, sondern durch kluge Rahmenbedingungen und gut ausgebildete Fachkräfte.
Mal etwas anderes im Hochschulalltag
Ein Besuch dieser Art ist kein alltägliches Ereignis auf dem Campus: Eindrücke aus erster Hand, persönliche Geschichten hinter politischen Entscheidungen und eine Diskussion auf Augenhöhe machten die Veranstaltung zu einem besonderen Moment. Gleichzeitig bot sich für Walter Riester die Gelegenheit, direkte Rückmeldungen und Perspektiven aus der jüngeren Generation zu erhalten. Ein Dialog, der zeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Gesellschaft und Hochschule sein kann – lebendig, kritisch und inspirierend.