Prof. Dr. Ernst Deuer bei DGB-Konferenz zu KI in der Arbeitswelt
Prof. Dr. Ernst Deuer von der DHBW Ravensburg hat an der DGB-Konferenz „Potenziale und Herausforderungen von KI – zwischen Produktivitätsanforderungen, Mitbestimmung und am Menschen orientierter Arbeit“ teilgenommen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert und welche Chancen sowie Herausforderungen sich daraus für Unternehmen, Beschäftigte und die Mitbestimmung ergeben.
Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Arbeitnehmervertretungen diskutierten in Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion über den verantwortungsvollen Einsatz von KI. Thematisiert wurden unter anderem die Transformation von Berufsbildern, die Mitbestimmung bei der Einführung von KI-Systemen sowie die Frage, wie technologische Innovation und menschengerechte Arbeit miteinander in Einklang gebracht werden können. Einen einführenden Impuls gab Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit.
Eine der zentralen Fragestellungen der Konferenz lautete: Macht Künstliche Intelligenz menschliche Arbeit produktiver oder langfristig überflüssig? Die vorgestellten Studien und Prognosen zeichnen ein differenziertes Bild. Zwar wird erwartet, dass sich die große Mehrheit der Arbeitsplätze durch KI erheblich verändern wird. Gleichzeitig gehen die Expertinnen und Experten davon aus, dass neben dem Wegfall einzelner Tätigkeiten auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen – in einer vergleichbaren Größenordnung.
Eng damit verbunden ist die Frage nach der Bedeutung menschlicher Kompetenzen. Werden sie durch immer leistungsfähigere KI-Systeme an Bedeutung verlieren oder gerade wichtiger werden? Die Diskussionen auf der Konferenz machten deutlich, dass insbesondere Fähigkeiten wie kritisches Denken, Einordnen, Bewerten und Korrigieren von KI-generierten Ergebnissen künftig eine noch größere Rolle spielen werden.
Viele der auf der Konferenz diskutierten Fragestellungen spiegeln sich auch in den seit 2015 unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Ernst Deuer an allen Standorten der DHBW durchgeführten Studien wider. Seit 2023 stehen dabei auch die Auswirkungen und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz für die Arbeitswelt und das duale Hochschulstudium im Mittelpunkt.
So zeigt eine landesweite Befragung der Dualen Partner, dass die große Mehrheit davon ausgeht, dass KI-gestützte Systeme Beschäftigte künftig vor allem ergänzen und unterstützen werden, anstatt sie zu ersetzen. Hochschulweit stimmen nahezu drei Viertel der Dualen Partner dieser Einschätzung zu. Damit rückt der sogenannte Werkzeugeffekt in den Vordergrund: KI wird überwiegend als Instrument verstanden, das Mitarbeitende bei ihrer Arbeit unterstützt und ihre Produktivität erhöht. Lediglich rund ein Fünftel der Befragten rechnet in stärkerem Maße mit einem Substitutionseffekt, bei dem KI bestimmte Tätigkeiten oder ganze Arbeitsbereiche teilweise ersetzt.
Auch die Befragungen dual Studierender zeichnen ein bemerkenswertes Bild. Zwar gehen viele davon aus, dass KI langfristig zu einem Rückgang der Zahl von Arbeitsplätzen führen könnte. Gleichzeitig sehen sie ihr eigenes Berufsfeld davon deutlich weniger betroffen. Noch seltener besteht die Sorge, dass das eigene Kompetenzprofil durch den Fortschritt der Künstlichen Intelligenz künftig überflüssig werden könnte.
Diese optimistische Sicht setzt jedoch voraus, dass diese Kompetenzprofile neben dem souveränen Umgang mit KI auch fachliches Wissen, kritisches Urteilsvermögen sowie soziale und kommunikative Fähigkeiten umfassen. Und dies zeigten auch die Diskussionen auf der DGB-Konferenz: Nur wenn technologische Innovation und menschliche Qualifizierung gemeinsam gedacht werden, kann das Potenzial Künstlicher Intelligenz für Wirtschaft und Gesellschaft einerseits und für das einzelne Individuum nachhaltig genutzt werden.